fingeRWEg!
“Du bist Atomlobby Deutschland” war wohl bisher die nervigste Werbekampagne der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt. Aber die Jungs von St. Pauli können es Gott sei Dank ja auch besser. Dies bewiesen sie unlängst mit der Kampagne “Bild Dir Deine Meinung”. Da wurde selbst mir kurzzeitig die Blöd Zeitung sympathisch.
Das ein schlechtes Produkt mehr Werbeeinsatz erfordert als ein gutes Produkt ist natürlich auch logisch. Dreckiger, teurer und gefährlicher Atomstrom fällt da dann wohl in die erstere Kategorie. Jetzt könnten natürlich Weltverbesserer einwenden:
Aber die müssen doch nicht dafür werben.
Doch auf das Niveau “Wenn wir es nicht machen, dann machen es andere” muss sich Jung von Matt nicht herunterlassen. Schließlich bewerben sie ja nichts Verbotenes oder machen selbst etwas Verbotenes. Die Frage ist hier doch eher ob man sich als Werbeagentur ein Gewissen leisten will, bzw. kann. Wobei leisten sollten sie es sich schon können.
Was wird jetzt aber Jung von Matt im Moment vorgeworfen?
Der erste Kritikpunkt ist die Werbung an sich. Man kauft eine abgehalfterte Neue Deutsche Welle Band ein um mit Begriffen wie “Preisbindung” und “Pro Strom” davon abzulenken, dass es sich hier um beschissenen Atomstrom handelt. Und diesen Atomstrom bezieht RWE auch noch teilweise aus höchst bedenklichen Reaktoren. Hier zeigt gute Werbung ihr wahres Gesicht.
- Trio mochte ich noch nie
- Preisbindung in Zeiten von Preisreduzierungen ist schon ein tolles Argument
- Pro Strom wird bei solchen AKWs auch schnell zum Contra
“Wir reden offen über eigene Fehler, Qualitätsmängel und schlechte Ergebnisse. Aber wir verlieren kein schlechtes Wort über Kollegen, Auftraggeber und Wettbewerber.”
– aus den 7 Leitsätzen von Jung von Matt- Ein weiteres Plakat des Onlinemagazins Utopia
- Der RWE-Spot bei You Tube
Aber der zweite Kritikpunkt erregt das Word Wide Web im Moment viel mehr. Die Umweltaktivisten von urgewald wurden vom Anwalt der RWE abgemahnt. Schlauerweise versucht man sich jetzt nicht wie andere schon aus der Abmahnung Kapital zu schlagen. Da aber anscheinend der Kontakt gleich über den Anwalt gesucht wurde, liegt die Vermutung nahe, dass der Tatgegenstand der Urheberrechtsverletzung nur im Hintergrund steht und als billiger Vorwand genutzt wird. Doch was könnten die vordergründigen Motive dieser Abmahnung sein?
Der Trick für die Eigenwerbung hätte schon geklappt. Die Agentur ist im Moment ja schon in aller Munde. Wenn man, aus welchen Motiven auch immer (ich will da niemandem was unterstellen), wirklich urgewald mundtot machen wollte, dann geht der Schuss wohl immer mehr nach hinten los. Durch diesen und auch viele andere Artikel werden die fragwürdigen Stromgewinnungswege von RWE wieder einem breiterem Publikum präsentiert. Also wohl eher ein Eigentor.
Und nun noch eine Liste zum schmunzeln:
Fazit: Hier spannt sich mal wieder jemand super vor einen Karren. Ob nun gewollt oder ungewollt, aus dem Streit zwischen RWE und den Atomgegnern sollte sich Jung von Matt einfach raus halten.

















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