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Realität und Wirklichkeit

Hamburg Harley Days

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Nächstes Jahr wird Hamburg Europas zweite Umwelthauptstadt und somit die erste deutsche dieser Art. So ein Titel bringt natürlich immer auch ein wenig Aktionismus im Vorfeld mit sich. Und genau an diesem Aktionismus kann man dann sehen wie viel dieser Titel dann wirklich wert ist, bzw. wie sehr der Titelträger ihn verdient. In diesem Zusammenhang macht Hamburg dieser Tage mit zwei Meldungen auf sich aufmerksam. Nicht jede kann man als positiv bezeichnen.

Wirklichkeit

Anlässlich des hundertsten Geburtstags der Firma Harley Davdson fanden 2003 erstmalig die Hamburger Harley Days statt. 2007 hieß es in einer Broschüre des Hamburg Welcome Center noch wie folgt:

Atemberaubende Events – von schrill bis majestätisch

Noch auffälliger als das schräge Outfit der Schlagermove-Teilnehmer sind die phantasievollen Kostüme beim Christopher Street Day, wenn Schwule und Lesben durch die Innenstadt ziehen.

Lauter wird es nur bei den Hamburg Harley Days: Beim weltweit einzigen innerstädtischen Harley-Treffen wird die Reeperbahn zum Laufsteg für die amerikanischen Kultbikes. Wenn die Königin der Meere zu Besuch kommt, ist ganz Hamburg auf den Beinen: Die Stippvisiten der Queen Mary 2 am Kreuzfahrtterminal in der HafenCity begeistern regelmäßig Hunderttausende.

Problemlos war es für den Veranstalter aber nie. So gab es in dieser kurzen Zeit, des jetzt schon fast als traditionell zu bezeichnenden Events, schon viele verschiedene Austragungsorte. Aber irgendwie konnte man es mit dieser, bis 2008 für Deutschland einmaligen, Bikerparty noch nie allen recht machen. So zog man 2009 ins westliche Randgebiet, ans Stadion des Hamburger Sportvereins. Da aber vor allem für auswärtige Biker die Parkplätze an der Fußballarena nur einen bedingten Reiz haben, war die Lärmbelastung in Richtung Innenstadt, Hafen und Kiez auch nicht wirklich geringer als die Jahre zuvor.

Ab 2010 muss der Veranstalter aber ein Bogen um Hamburg machen. Zu hoch waren in den vergangenen Jahren die Anzahl an Anwohnerproteste und die Kosten für die Müllbeseitigung. Als offiziellen Grund gibt der Hamburger Senat aber den Titel Europäische Umwelthauptstadt 2011 an. Ob ein Umzug der Harley Days nach Norderstedt oder gar Lübeck die Anziehungskraft der Hamburger City schmälert ist wohl eher zweifelhaft. Der Wirtschaftliche Schaden durch wegfallende Einnahmen Steuern im Rahmen dieses touristischen Großevents scheint dagegen aber sicher zu sein.

Realität

Hamburg gehört zu den weltweit schönsten Städten. Dies hat Hamburg wohl dem Umstand zu verdanken, dass die Stadt von Touristen als äußerst grüne Stadt wahrgenommen wird. Ein Vorsprung den sich Hamburg auf jeden Fall erhalten sollte, denn Umweltschutz rückt immer mehr in das Bewusstsein der Menschen. Da dies aber auch im Rest der Republik, vor allem aber in der Wirtschaft, ankommen muss, gibt es im Bundesnaturschutzgesetz eine Passage, die die Schaffung von Ausgleichsflächen regelt. Wer also Natur vernichtet, der muss sie an anderer Stelle aber wieder angemessen ausgleichen.

Aktuell will der größte nicht stadteigene Hafenbetrieb Hamburgs seine Terminalflächen erweitern. Die geschieht durch eine Umgestaltung im Petroleumhafen. Dort werden Wasserflächen zugeschüttet und und Bäume gefällt, damit sich die Nutzfläche vom Eurogate um 38 Hektar vergrößern kann. Bei den Bäumen handelt es sich um eine Allee aus hundert Pappeln. Diese wiederum sind Heimat von Pflanzen, die auf der roten Liste der bedrohten Arten sind.

Das alles wäre ja nicht so schlimm, wenn man wenigstens dem Bundesnaturschutzgesetz folgen würde und an anderer Stelle adäquaten Ausgleich schaffen würde. Doch in Hamburg muss man an sowas nicht denken, denn das Hafenprivileg regelt, dass im Hafenbereich entsprechende gesetzliche Regelungen nicht gelten. Negativer Umweltschutz war schon immer einfacher, wenn das Gesetz einem Rückhalt gibt. Das Verfassungsrechtsexperten dort Bauchschmerzen haben ist dort egal, denn solange Gerichte noch nicht entschieden haben, gilt das Recht des Stärkeren.

Fazit:

Realität und Wirklichkeit sind identisch und doch vollkommen verschieden. In beiden Fällen kommt es nur darauf an aus welcher Position man sie betrachtet. Den Titel der europäischen Umwelthauptstadt wird man uns so oder so nicht wieder aberkennen, denn Perfekt ist ja niemand.

Update:Wie nicht anders zu erwarten knickt der Senat bezüglich der Harley Days ein. Nun finden sie doch direkt in Hamburg statt. Eventfläche wird nun der Hamburger Großmarkt werden.

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